Manchmal erzählen Gegenstände Geschichten, die Worte allein nicht tragen können. In diesem Beitrag geht es um eine sehr persönliche Art, Abschied zu nehmen: die Urne meines Onkels, liebevoll umhüllt aus einem seiner Cashmere-Pullover. Sie wurde zu einem Zeichen seiner Persönlichkeit, seiner Lebensfreude und seiner Verbundenheit – weit über das Standardangebot eines Bestatters hinaus. Ich möchte erzählen, wie aus Stoff, Nadel und Erinnerung ein zärtlicher, fast greifbarer Moment des Abschieds entstand – und wie daraus der Wunsch gewachsen ist, auch für andere Menschen individuelle Urnen aus persönlichen Materialien zu schaffen.
Die Cashmere-Urne für meinen „Onkel“
Nach dem Tod seiner Frau hatte mein väterlicher Freund Gerhard bereits zu Lebzeiten seine eigene Bestattung vorsorglich geregelt:
Anonyme Urnenbestattung auf dem Gemeinschaftsurnengrab, wo auch seine Frau beigesetzt war. Einfacher Holzsarg, Standard-Schmuckurne aus Metall, Trompeter und bunter Blumenschmuck – das waren
seine Wünsche aus dem Standard-Angebot des Bestatters.
Doch seine Persönlichkeit war anders:
In jungen Jahren fuhr er zur See, und er erzählte immer wieder begeistert, wie sehr ihn diese Zeit geprägt hatte. Gerhard war ein feiner, hanseatischer Typ mit einem weichen Herzen – jemand, den
man sofort ins Herz schloss.
Persönliche Gestaltung statt Standard-Urne
Wir standen uns sehr nah, und als er starb, wollte ich seinen Abschied besonders gestalten – für alle, die ihn kannten, und vor allem für mich selbst. Deshalb bestellte ich die im Vorsorgevertrag vorgesehene Metallurne nicht, sondern fertigte seine Schmuckurne selbst an. Einer seiner Cashmere-Pullover erschien mir das perfekte Material: das sanfte Türkisblau erinnerte fast an die Farbe seiner Augen.
Symbole der Erinnerung: Schiffchen & Herzlinie
Zum Zeichen seiner Liebe zur Seefahrt verzierte ich den weichen Stoff mit einem „Papierschiffchen“ aus weißem Hemdenstoff. Ich stickte seine Unterschrift mit der Nähmaschine auf und ergänzte eine
weitere Schiffchen-Applikation. Die beiden Schiffchen auf Vorder- und Rückseite der Urne verband eine Herzlinie – ein Symbol dafür, dass er nun auf die Reise zu seiner geliebten Frau ging.
Ein zärtlicher Abschied
Ich hatte das große Glück, seine Asche nicht nur zum Gemeinschaftsgrab tragen, sondern sie sogar selbst in die Grabstelle hinablassen zu dürfen – etwas, das leider nicht überall möglich
ist.
Es war ein angenehm weiches, zärtliches Gefühl, seine Asche so warm umhüllt zur Grabstätte zu tragen. Das machte es leichter, ihn der feucht-kalten November-Erde zu übergeben.
Der bestellte Trompeter spielte drei Klassikstücke und sogar die Sonne blinzelte durch die Wolken, als wolle seine Frau ein paar wohlwollende Grüße senden.
Bei der anschließenden Lebensfeier in seinem Haus hatte ich – neben ein paar sehr persönlichen Dingen – überall Papierschiffchen aufgestellt, gefaltet aus den handschriftlichen Aufzeichnungen
seines Ingeniersstudiums und alten Landkarten. Alte Fotos aus seinem Leben lagen auf den Tischen, an denen grüner Tee (sein Morgen-Ritual) und selbstgebackener Kuchen auf seinem feinen
Rosenthal-Geschirr serviert wurden.
Eine Nachbarin spielte auf der Geige – Musik, der Gerhard immer gerne gelauscht hatte, wenn sie am offenen Fenster übte.
So war er überall zu spüren und am Abend, als alle Gäste gegangen waren wusste ich: Das hätte ihm sehr gefallen.
Inspiration für persönliche Urnen
Aus dieser Erfahrung entstand schließlich der Wunsch, auch für andere Menschen Urnen aus ganz persönlichen Stoffen zu kreieren – Erinnerungen, die berühren und Trost spenden.
Jeder hat einen würdevollen Abschied verdient
In einem weiteren Blogbeitrag erzähle ich dir, wie wenige Monate später die Urne für Bärbel entstand. Sie hatte keine Hinterbliebenen, die sich für ihre würdevolle Beisetzung verantwortlich fühlten und wäre beinahe ohne eine persönliche Schmuckurne vom Amt bestattet worden. Das konnte ich nicht zulassen und habe ihr eine individuelle Urne gefertigt.
Wenn dich dieser Blogartikel inspiriert hat, hinterlasse mir gerne einen Kommentar hier oder auf Instagram.
Ich freue mich sehr über eine Rückmeldung (kann dir hier aber leider nicht antworten).
Herzlichst Christina





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